Plot/Synopsis

Mitte des 19. Jahrhunderts, Zeit der letzten Hungersnot in Europa (1845-49). Eine Frau mittleren Alters, die mit ihrem Mann in ärmlichen Verhältnissen lebt, wird nachts von Geräuschen aus der Stube geweckt. Als sie sich im Dunklen über die Stiege bis in die Stube getastet hat, erblickt sie ihren Mann, der am Tisch steht und sie erschrocken anblickt. Ungeschickt versteckt er etwas hinter seinem Rücken,stammelt Entschuldiungen, Ausreden. Als sie schließlich zurück ins Bett geht, nimmt er seine Hand hinter dem Rücken hervor: Er hält darin ein Stück Brot, das er heimlich abgeschnitten hat. Am nächsten Morgen gibt sie ihm eine ihrer drei Brotscheiben hinüber. Gedemütigt reicht er sie zurück. Sie könne nicht nur zwei Scheiben essen, sagt er. Das Ehepaar gerät in Streit. Lang schwelende Aggressionen treten zu Tage. Schließlich nimmt er seine drei Scheiben und geht. Auch sie wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Die strittige Brotscheibe bleibt unbeachtet auf dem Tisch liegen. Erst unmerklich, dann immer schneller, verschimmelt sie.

Nicht vom Brot allein entstand frei nach einem Motiv aus der Erzählung Das Brot von Wolfang Borchert. Der Film nimmt sich jedoch nur einen Aspekt der Erzählung zum Ausgangspunkt, wandelt ihn um und entfernt sich von der Aussage des ursprünglichen Textes. Nicht vom Brot allein ist ein eigenständiges filmisches Werk, kann aber auch in Kontext mit Borcherts Erzählung gesehen werden. Dann ergibt sich seine Bedeutung aus der Distanz, die zum Ausgangstext besteht.

Im Gegensatz zur Erzählung Wolfgang Borcherts, in der die Frau als Mutter gezeigt wird (die aus Liebe verzichtet und so die Beziehung wieder ins Lot bringt), wagt der Film einen weniger verklärten Blick auf die Rolle der Frau: Die bemutternde Frau ist ja eben nicht Mutter, sondern Gattin des Mannes. In Nicht vom Brot allein führt die Aufopferung der Frau nicht zur Tilgung der Schuld des Mannes, sondern im Gegenteil zu einer Verschärfung des Konflikts. So wird der Film nicht zu einer anrührenden Geschichte über die Liebe, sondern ein nüchterner Blick auf unhinterfragtes Rollenverhalten.

Technische Daten

Nicht vom Brot allein, 13:40 min., s/w, PAL, mono
Mit: Katharina Bigus, Christian Hofler
Kamera: Mario Hengster
Schnitt: Robert Breber, aea
Buch/Regie: Andreas Kurz